
“… die ökologische Klasse ist dadurch bestimmt, dass sie die Welt, in der man lebt, und die Welt, von der man lebt, in ein und demselben Raum miteinander verbindet.”
(Latour, Bruno, u.a.: Ökologische Klasse, Seite 19)
Wir interpretieren die räumlichen Gegebenheiten am Österreichischen Platz vor dem Hintergrund der von Latour beschriebenen Dissonanz zwischen der Welt, in der wir leben und der Welt, von der wir leben. Der geteilte Lebensraum, in dem sich alle Lebewesen gerne aufhalten, in diesem Fall der eigentliche Österreichische Platz, ist im Laufe der Jahrzehnte durch große Verkehrsbauten zerteilt, verkleinert und belagert worden. Als Gesellschaft nutzen wir unsere Mitwelt unproportional aus und kümmern uns nicht um ihre Bewohnbarkeit.
Am Österreichischen Platz ist diese Situation auf die Spitze getrieben. Was einmal Platz war, ist jetzt Straße und was vom Platz übrig ist ist durch die vertikale Teilung des Orts nicht sichtbar, nicht spürbar und schwer erreichbar. Diesen Umstand soll die vierte Intervention der Anti-Ausstellung aufzeigen. Dazu erfassen wir die Wegstrecken, die nötig sind, um den Platz zu erschließen. Wie lange brauche ich, um vom österreichischen Platz (oben) zum österreichischen Platz (unten) zu kommen? Wie verändert sich diese Wegstrecke, wenn ich mit dem Rad, Kinderwagen oder im Rollstuhl unterwegs bin? Der Hauptteil der Intervention 4 sind Wegweiser, die diesen Umstand unterstreichen. Sie sollen mit Kreidespray vor Ort auf den Boden gesprüht werden.

Zusätzlich erschließen wir uns den Österreichischen Platz (unten) über selbstgebaute Strickleitern, die den Höhenunterschied schnell und effizient überwinden und gleichzeitig aufzeigen, dass der Platz wirklich nicht allen BesucherInnen problemlos zur Verfügung steht.