
Wir sind nicht länger Menschenwesen in der Natur, sondern Lebewesen inmitten anderer Lebewesen in offener Entwicklung mit und gegen uns, die alle an demselben Terraforming teilnehmen. […] Alles bewegt sich, entwickelt sich, mutiert. Es gab einen Rahmen, der auf unser Handeln nicht reagierte; jetzt reagiert er, und das auf allen Ebenen: Viren, Klima, Hummus, Wälder, Insekten, Mikroben, Ozeane und Flüsse. […] Wir sind orientierungslos, […] versucht, das Handtuch zu werfen – wo doch alles uns dazu antreiben sollte, zu handeln, und zwar rasch.
(Latour, Bruno, u.a: Ökologische Klasse, Seite 30)
Um den fast vollständig versiegelten, stark befahrenen und hektischen Platz für andere Lebensformen zu öffnen, bietet sich Moos und weitere kleine Pflanzen an.
Das Moos wird an kleinen beruhigten Stellen, wie z.B. Bordsteinkanten, Verkehrsinseln, oder ähnliches, angebracht.
Moos braucht um zu wachsen und sich auszubreiten nicht viel. Es reicht eine kleine Substratschicht die einfach aufgetragen werden kann.
Darin wird das Moos gedrückt und leicht bewässert. Es kann dadurch Nährstoffe aus dem Substrat aufnehmen und Wurzeln bilden.
Im Laufe der Zeit, kann das Moos dann versuchen sich an diesem Ort zu verbreiten.
Andere kleine Pflanzen werden durch Samen an den Platz gebracht.
Dafür eignen sich hervorragend Risse und Spalten im Beton und Asphalt. Diese werden mit Substrat gefüllt und mit den Samen bestückt. Dadurch liegen die Samen in einem geschützten und sicheren Ort und können sich entwickeln
Moos als Lebensraum
Durch seine poröse und offene Struktur bietet Moos den idealen Lebensraum für Pilze, Algen und Bakterien. Diese Organismen profitieren von der Schwammartigen Eigenschaft und der daraus Resultierenden konstanten Feuchtigkeit als auch von dem Schutz vor extremen Umweltbedingungen.
Auch Wirbellose Tiere und Insekten finden im Moos einen perfekten Lebensraum. So regulieren zum Beispiel Nematoden die bakteriellen und pilzlichen Populationen, Mikroarthropoden zersetzen Organisches Material und fördern die Bodenbildung und Insektenlarven und Insekten nutzen Moos als Schutzraum und Futterquelle.
Im städtischen Raum
Moos spielt im urbanen und städtischen Raum eine wichtige Rolle für das Ökosystem und das Mikroklima. Es bringt viel wichtige Aspekte und Eigenschaften mit sich, welche das Moos zu einer Art Verbindungselement der Stadt und kleinsten Organismen machen.
Zusätzlich hat Moos einen großen klimatischen Effekt, speziell auf großen versiegelten Flächen mit einer hohen Feinstaub und Schadstoffbelastung.
Klimatischer Einfluss
Siedelt sich Moos im städtischen Raum an, hilft es dabei das Mikroklima zu verbessern.
So absorbiert es beispielsweise Feinstaub, Schwermetalle und Schadstoffe aus der Luft und kann diese zudem neutralisieren.
Da Moos über eine, im Pfanzenbereich, sehr große Oberfläche verfügt, kann es in großen Mengen Wasser speichern und diesen langsam wieder an die Umgebung abgeben. Verdunstung des gespeicherten Wassers kann Hitzeinseln in der Stadt regulieren, senkt die Lufttemperatur und erhöht die Luftfeuchtigkeit.
Durch die Photosynthese wird zudem CO2 in Sauerstoff umgewandelt.
Symbiotische Wirkung
Die Symbiose im Moos-Ökosystem basiert auf einem komplexen Netzwerk mutualistischer und kommensalistischer Interaktionen.
Moose schaffen durch ihre Wasserretention und Nährstoffbindung eine mikroklimatische Nische für zahlreiche Organismen. Stickstofffixierende Cyanobakterien, Mykorrhiza-ähnliche Pilze und phototrophe Algen fördern den Nährstoff- und Energiefluss, während Destruenten wie Bakterien, Pilze und Detritivore (z. B. Collembolen) organisches Material abbauen und Nährstoffe remobilisieren.
Diese funktionale Interdependenz stabilisiert das Mikrohabiat und macht Moose zu aktiven Regulatoren eines spezialisierten und resilienten Ökosystems.