Die Inspiration der weißen Rose
In keiner Weise will ich das faschistische NS-Regime verherrlichen, mit der jetzigen Regierung vergleichen, geschweige denn den Mord dessen an den Juden und anderen Minderheiten leugnen.
Doch finden sich interessante Formen des Widerstands, sowie des Zusammenhalts einer Gruppe auf beiden Seiten der politischen Orientierung dieser Zeit, im Bezug auf die Entstehung einer ökologischen Klasse.
Das Buch „Die weiße Rose“ von Inge Scholl (1955, Fischer Taschenbuch Verlag) beginnt mit einer Idealisierung der Hitlerjugend. Anfangs sind die unwissenden Protagonisten gefesselt von der Natur, die sie als Gemeinschaft tagelang erkunden. Sie zeigt, neben der spielerischen Heranführung an die Arbeit/den Alltag eines Soldaten, die Heimat aus anderen, neuen, oder vielleicht schon vertrauten Blickwinkeln und stärkt das Heimatgefühl:
„Denn unsere Heimat liebten wir sehr, die Wälder, den Fluß und die alten, grauen Steinriegel, die sich zwischen den Obstwiesen und Weinbergen an den steilen Hängen emporzogen. Wir hatten den Geruch von Moos, von feuchter Erde und duftenden Äpfeln im Sinn, wenn wir an unsere Heimat dachten. Und jeder Fußbreit war uns dort vertraut und lieb. […] Wir liebten es und konnten kaum sagen, warum. Man hatte bisher ja auch nie viele Worte darüber gemacht. Aber jetzt wurde es groß und leuchtend an den Himmel geschrieben.“
Kann man an diesen Zeilen heute überhaupt noch objektiv „vorüberlesen“? Findet sich in dieser Herangehensweise an die Bildung einer Gemeinschaft nicht auch ein ganz aktueller Aspekt, unter völlig anderen politischen Vorraussetzungen? Sollten nicht alle Bewohner*innen der Erde sich mit ihrer Heimat, dem Planeten, in genau dieser vertrauten und verbunden Art identifizieren?
Später wächst während der eigentlichen Jugend auch ein politisches Gewissen, im Laufe ihrer Studienzeit bilden die Geschwister Hans und später auch Sophie Scholl „die weiße Rose“, eine Widerstandsgruppe gegen die Diktatur.
Der passive Widerstand wird durch aktiven Widerstand (vorwiegend Flugblätter) gefordert:
„Im passiven Widerstand sahen jene Studenten die Kunst des Möglichen. Er sollte das Handeln und in kleinen und kleinsten Schritten aktivieren, das jedem zugemutet werden konnte. Gemeint war: sich auf das Erreichbare zu konzentrieren, ohne das Ziel aus dem Auge zu lassen; heraustreten aus der panischen Angst und der mörderischen Gleichgültigkeit. Der Resignation und der Apathie sollten überlegtes Handeln, Wendigkeit und Einfallsreichtum im alltäglichen Leben entgegengesetzt werden.“
Also, im übertragenen Sinne, die Grundforderungen der ökologischen Klasse!
Diese Forderungen ergaben sich vor allem durch Unterdrückung, gleichzeitig basierten sie aber auch auf einer philosophischen und geisteswissenschaftlichen/theoretischen Bildung im (Selbst-) Studium:
„Aus den allmählich sich einstellenden Zweifeln wurde massive Ablehnung; schließlich suchten sie (Die Geschwister Scholl) einen Ausweg nicht in einer theoretischen Konzeption konkreter Möglichkeiten, sondern in dem Willen zur pragmatischen Veränderung.“
„Hier entfaltete sich eine Freiheit und Energie des Denkens, die letztlich den Willen zum Handeln erwecken konnte.“
Mittlerweile sind Straßen und Plätze nach den Geschwistern Scholl benannt. In der unterdrückendsten Diktatur der Vergangenheit haben sich trotz allen Umständen Widerstandsvereinigungen unter dem Namen der weißen Rose gebildet, die durch reine Willenskraft ein wenig Licht ins Dunkel brachten.
Sollten nicht gerade wir von solchen Bewegungen lernen, Kraft schöpfen und uns inspirieren lassen?
Quelle: Die weiße Rose, Inge Scholl, 1955, Fischer Taschenbuch Verlag.
Reihenfolge der hier aufgeführten Zitate im Buch : S.14, S. 127, S. 129 und S. 132