Florian Rötzer zeigt in Sein und Wohnen auf, wie die Fähigkeit des Menschen, sich “eigene, künstliche Umwelten in Form von Wohnungen” schaffen zu können, erhebliche Auswirkungen auf die Weiterentwicklung des Menschen(affen)s hatte:
“Die Nester […] ermöglichen es vor allem, länger und tiefer zu schlafen, sich also von der Beobachtung der Umwelt abzukoppeln und in einen postuterinen, träumenden Zustand zu gelangen, was manche Wissenschaftler für eine der Voraussetzungen
zur Ausbildung von hohen kognitiven Leistungen bei den Menschenaffen und dann vor allem dem Menschen halten. “
Sein und Wohnen – Florian Rötzer S.27
Mit der räumlichen Abgrenzung eines Außen und Innen über die von Marshall McLuhan als “kollektive Kleidung” verstandenen Wohnungen vollzog sich auch die Ausbildung von Scham. Diese verstärkt egozentrische Verhaltensmuster, welche einem gemeinsamen Leben vor allem in Ballungsräumen im Weg stehen können. Die “Bedingungen des Wohnens waren also entscheidend für die menschliche Kultur und sind es auch weiterhin.”